Vorstellung meines Uno Turbo i.e. – Bergrennen, Slalom und geplanter Motoraufbau

  • Hallo zusammen,

    ich möchte mich und meinen Fiat Uno Turbo kurz vorstellen. Ich komme aus Österreich und bin seit einiger Zeit im Motorsport unterwegs, hauptsächlich im Autoslalom und Bergrennbereich. Schon lange bin ich von älteren Fahrzeugen mit Charakter begeistert – besonders der Fiat Uno Turbo hat es mir angetan.

    Bei meinem Uno handelt es sich um einen Fiat Uno Turbo i.e. 1.4 Bj 94. Das Auto wird aktuell motorsportlich eingesetzt und ist entsprechend angepasst:

    • originaler 1.4 Turbo Motor
    • Punto GT Turbolader
    • ca. 0,9–1,0 bar Ladedruck
    • ungefähr 150 PS
    • Seriengetriebe
    • erleichterter Innenraum ohne Rückbank
    • Ladeluftkühler

    Der Uno macht bereits sehr viel Spaß, aber ich möchte den nächsten Schritt gehen und den Motor langfristig verbessern. Ziel wäre ein standfester und zuverlässiger Motor mit mehr Leistung für den Einsatz bei Bergrennen und Slalom.

    Daher bin ich aktuell auf der Suche nach einem erfahrenen Motorenbauer, der sich mit den Uno-Turbo-Motoren auskennt. Geplant ist, den Motor im Herbst/Winter auszubauen und das Projekt umzusetzen, da ich die aktuelle Saison noch fahren möchte.

    Ich würde mich über Erfahrungen, Empfehlungen zu Motorenbauern und Tipps zum Aufbau freuen.

    Viele Grüße

  • Cooles Auto und Cooles Projekt...

    dem Racing mehr Leistung einhauchen ist ja nicht das schwierigste, je nachdem in welche Leistungsregion du willst :)


    Achte aber bitte auf deine Pluspolabdeckung....so kommt man normalerweise nicht durch eine technische Abnahme :)

    Gibt es denn technische Rahmenbedingungen auf die du achten willst/musst? oder willst du in der freien offenen Klasse fahren, wo alles egal ist? :)


    Diki

  • Vielen Dank! Freut mich, dass dir das Projekt gefällt. 🙂

    Ja, mit der Pluspolabdeckung hast du natürlich recht. Das war auf den Fotos nur eine provisorische Lösung – inzwischen ist das bereits ordentlich geändert und der Pluspol korrekt abgedeckt.

    Leistungsmäßig möchte ich langfristig im Bereich von 200–220 PS landen. Mir ist aber wichtiger, dass der Motor standfest und zuverlässig ist, als einfach nur möglichst viel Leistung herauszuholen.

    Ich fahre hauptsächlich Bergrennen und Slalom in Österreich. Das Auto soll nach dem aktuellen AMF-Reglement aufgebaut werden. Im Bergrennsport möchte ich in der E1-Kategorie fahren und – je nach endgültigem Performance Faktor – voraussichtlich in der PF-Klasse 210–219 starten. Beim Slalom orientiere ich mich ebenfalls an den AMF-Reglements, damit ich mit dem Auto möglichst bei vielen Veranstaltungen starten kann.

    Deshalb suche ich aktuell auch einen Motorenbauer, der Erfahrung mit den Uno-Turbo-Motoren hat und mir beim Aufbau eines zuverlässigen Motors helfen kann.

    Chris Kellermayr kenne ich bereits, aber danke trotzdem für die Empfehlung.

    Weiß jemand von euch, ob er auch komplette Uno-Turbo-Motoren aufbaut bzw. den kompletten Motorenbau übernimmt? Ich kenne mich selbst mit dem Aufbau von Motoren nicht ganz so gut aus und würde das deshalb gerne einem erfahrenen Motorenbauer überlassen.

    Falls sonst noch jemand Empfehlungen oder Erfahrungen mit Motorenbauern für den Uno Turbo hat, würde ich mich sehr darüber freuen. 🙂

  • Hi, Leistung kommt aus dem Motor mehr als genug. Der 1.3/1.4er sollte bis 250PS standfest ertragen. Danach fängt es an echter Motorenbau zu werden. Das bedeutet aber immer mit einer sauberen Abstimmung. Nicht wie oft gemacht, eine über Druck gesteuerte Kaltstartdüse oder ein primitives Puls moduliertes extra Einspritzventil. Z.B. die von Novitec verbrochenen Baumuster. Das Problem ist das immer der schlechteste Zylinder verendet oder die zu hohe Benzinmenge Leistung und Lebensdauer auf wenige Kilometer reduziert.

    Für Motorsport ist immer das Reglement entscheidend und ob Du ehrlich bleiben willst. Ich kann Dir unsichtbar eine vollprogramierbare Anlage in den Uno bauen, die erkennt kein TÜV oder Gutachter, damit fliegst Du aber bei einem Protest sofort auf. Die Kollegen sind ja auch nicht blöde. Wenn Du auf der legalen Schiene fahren willst, ist die 1,4er Einspritzung inkl. Lader schon ganz OK. Da geht für geringe Kosten deutlich mehr als beim 1.3.

    Wenn Du Geld in die Hand nimmst, kannst Du den 1.3 serien IHI Lader auf beiden (!) Seiten aufspindeln lassen, das reicht bis über 200 PS. Beim 1.4er geht das glaube ich nur beim Verdichter. Viel besser, billiger und standfester ist es aber gleich einen Garret GT-R Lader einzubauen, das Ansprechen wird besser, die Ladeluft kühler und Du kannst stabilen Druck über ein weites Band fahren. Frage ist eben was Du darfst. Standfestigkeit kommt bei den Motoren ironischer Weise aus der Drehzahl. Motoren die schon unten gewaltig drücken, halten deutlich weniger aus als wenn Du oben bis 7500 drehst bei vollemLadedruck. Der Begrenzer muss also hoch und eine drehfreudige Nocke her. Beim 1.3 ist mit Begrenzer eher doof, der 1.4er ist einfacher.

    Um mal ein Beispiel zu geben, ein billige 1.3er mit einem kugelgelagerten Garret und einem Speedoino bringt für wenig Geld mehr als jeder Umbau einess 1.4 oder 1.6 mit Bastellader und der alten Bosch Spritze. Dazu standfest und Du kannst ihn im Alltag fahre und am Berg. Optisch ist da wenig zu erkennen. Warum ich so auf dem Lader rumreite ist der Wirkungsgrad. Der Sportlader erspart Dir mit 70 Wirkungsgrad bis zu 50% Ladeluftkühler gegen einen Hinterhoftuninglader der im Peak nur noch 40% in komprimierte Luft wandelt, den Rest in Hitze. Dann ist noch der Brennraum entscheidend. Nur wenn Dein Motorenbauer dort für oderntliche Quetschkanten sorgt, bekommt man Leistung mit Haltbarkeit aus dem 8V. Wer Kolben abdreht wie damals Novitec oder dicke Zylinderkopfdichtungen einbaut ist in den 70er Jahren steckengeblieben und, sorry, ein Idiot. Leider noch viel zu viele. Wenn Du mit deinem zukünftigen Motorenbauer sprichst, frag da mal was der so plant. Daran erkennst Du Kompetenz oder Pfusch. Wer sich hinter "ich verrate doch nicht meine Geheimnise" versteckt, hat keine Ahnung. Nie. Glaub es. Gute Leute wissen was sie können und das kaum einer das mal eben kopiert. Weil jeder Motor anders ist. Baut er Dir einen Motor kannst Du eh seine ganzen "Tricks" anschauen wenn Du ihn aufmachst. Ihr habt einige tolle Motorenbauer in AT (gehabt?). Leider sind die schon früher chronisch überlastet und nehmen, wenn sie was können, keine neuen Kunden ohne fette Geldbündel mehr an, genau wie in DE. Außerdem, wer für 700€ in einer halben Stunde Dieselfahrern die Software pimpt, wird nicht mehr an der Werkbank im Dreck wühlen und Köpfe fräsen. Außerdem kann er das gar nicht. Das sind heut 98% der Tuner.

    Ach ja. Ich habe z.B. nie nur Teile gemacht, die dann vom Kunden oder deren "Schrauber" ergänzst, eingebaut und abgestimmt wurden. Das beste Rezept für Motorschäden, Streit und böses Blut. Externe Abstimmer schieben immer ihre Probleme auf den Motorenbauer, klar. Ein Motor ist erst ferig wenn er im Auto läuft, ein einziges falsches "das machen wir immer so" Teil reicht bereits um das beste Konzept zu ruinieren. Das geht runter bis zum Motoröl (eh alles das selbe. LM macht die beste Werbung und die Autobild empfielt es ja), den Zündkerzen (ich nehme immer Bosch silber, die sind seit 30 Jahren die besten"oder dem Benzin (Das SP von der AVIA kommt aus dem gleiche Tank wie das V-Power und Ultimate und kostet 18 Cent weniger). Um mal meine Hitliste anzuschneiden. Ein Sportmotor ist ein integrales Gesamtpaket inklusive dem Auto. Bau eine Schwachstelle ein und alles kippt.

    Ich gebe Dir gerne Tipps, nur mußt Du sagen was Du willst, darfst und kannst. Dazu mußt Du auch ehrliche Worte abkönnen. Dein Ladeluftkühler ist übrigens eine typische keine Ahnung von nix Lösung. Du leitest alle Kühlluft sauber um das Netz herum. Der kleine aus der 1.4er Serie wäre nach 80 Metern Vollast kaum schlechter. Sieht auch schite aus.

    Wenn es Dir öffentlich zu hart wird, auch per PM. Da ich in Hamburger Umland bin, kann ich Dir praktisch zwar nicht helfen, a bisserl Know How geht aber auch per Fernschulung. Viel Spaß!

  • bei den ausführungen gibt es nichts zu ergänzen ^^

    ... ausser dass der 1,3er block der stabilere von beiden ist.
    in den 1,3er block passen die kolben und die kw vom 1,4er rein. pleul sind bei beiden gleich von den massen.
    die haben den grösseren hub der 1,4er kw durch eine andere geringere kompressionshöhe bei den kolben ausgeglichen.

    so, jetzt immer feste druff und einen schönen 250 ps uno bauen :thumbup:

    gruss
    christian

  • Subjektiv gebe ich Dir recht, der 1.3er kommt mir auch am stabilsten vor. Der 1.6er hat teilweise schon sehr dünne Wandstärken, wobei das natürlich auch von Guss zu Guss variiert. Es halten ja nicht ohne Grund manche Motoren und andere fliegen auseinander. Profis selektieren Motorblöcke mit Ultraschall oder Röntgen. Ich hatte einen Arzt, der dazu tatsächlich einen Block in seine Praxis geschleppt hat. In vielen Jahren erlebt man viel... Aufbohren der Motoren ist darum auch eine Gratwanderung für Leute mit sehr viel Geld für fehlgeschlagene Experimente.

    Die Stabilität des Blockes ist der Grund warum ich gewaltige Drehmomente von unten rum zu vermeiden versuche. Dazu lieben es Sontagsfahrer immer von unten drauf zu latschen und dann, wenn voller Druck de Motor quält, zu schalten, statt mal ein oder zwei Gänge runter zu schalten. Erlebe ich jetzt seit den ersten Probefahrten im damals neuen Uno turbo, so um 1985... Besser ist ein kontinuierlicher Ladedruckaufbau, der dann ab ca. 5000 das maximum erreicht und bis zum Begrenzer hält. Darum muss für hohe Leistungen die Drehzahl hoch oder der Unterbau wird überlastet. Ladedruckspitzen sollte man versuchen zu vermeiden wenn man über 1 Bar geht.

    Wie schon geschrieben, für den Sportfahrer ist sein Reglement entscheidend. Wenn nur der Serienmotor bearbeitet werden darf, braucht er eben den 1.4er. Rein von der Tendenz kam mir der 1.3er auch immer agressiver als der 1.4 vor, der 1.6 ist dann noch eine andere Nummer, da passen Hub und Bohrung wieder besser. Wobei das natülich auch von anderen Dingen wie der Abstimmung und der Schwungmasse abhängt. Dinge die man meint einmal "erfahren" zu haben, sind eben keine wissenschaftlichen Fakten, sondern mehr einmalige Anekdoten.